Die Mystik der Lyrik

„One of the deepest longings of the human soul is to be seen.“
(John O’Donohue)

Warum sind wir hier? Macht man sich mit dem mystischen Kern der verschiedenen Religionen vertraut, so wird man einen ursprünglichen, gemeinsamen Nenner finden – wir alle tragen einen Funken des Höchsten Göttlichen in uns. Und wir sind hier, um diesen Funken zu erkennen, ihn nach vorne zu bringen und ihn leuchten und strahlen zu lassen. Den Weg zu unserem Funken, weisen uns unsere tiefsten Herzenswünsche und unsere Kreativität, die von Gott in uns gelegte Schöpferkraft.

In jedem von uns schlummert der innige Wunsch, kreativ zu sein, schöpferisch zu sein, seine Seele zum Ausdruck zu bringen. Jeder von uns hat seine ureigensten Begabungen und Talente mit auf diese Erde gebracht. Dies müssen nicht unbedingt künstlerische Gaben sein – der eine ist vielleicht ein hervorragender Koch, der andere ein einfühlsamer Friedensstifter oder ein begnadeter Organisator. Wichtig ist, dass wir den Weg zu diesem innersten Funken, zu unserer wahren Seele finden und dies in unserem Leben leben können.

„Warum sollte man die Kunst nur denen überlassen, die man herkömmlich als Künstler bezeichnet? Es ist jedem überlassen, selbst ein poetisches Leben zu führen, durch seine Handlungen, Gedanken und Gefühle Musik zum Ausdruck zu bringen, sein eigenes Gesicht zu zeichnen und zu lernen, sich selbst nach dem Bildnis Gottes zu formen.“

(Omraam Mikhaël Aïvanhov, Mystiker)

Oft ist es aber gar nicht so leicht herauszufinden, was wir wirklich wollen und wonach sich unsere Seele sehnt. Erwartungshaltungen, Kindheitserfahrungen, Glaubenssätze, vererbte Muster und Ängste stehen noch im Weg und verschleiern unseren Blick auf unsere Seele. Und doch sehnen wir uns so danach, endlich wahrgenommen zu werden, als das, was wir sind.

Folgen wir diesem Sehnen, beginnen wir, unseren Weg der Heilung und Befreiung hin zur Verwirklichung unseres innersten Selbst zu gehen. Und so wie wir immer heiler, vollkommener, klarer und wahrhaftiger werden, so wird auch unser Herzenswunsch und das Sehnen unserer Seele immer wahrhaftiger und klarer.

Mein Weg, war und ist der Weg der Lyrik. Ein mystischer und heilsamer Weg. Das Buch „Reise der Hoffnung“ spiegelt diesen Weg der Entfaltung und Bewusstwerdung. Zuerst schrieb ich über alltägliche Erfahrungen und Begegnungen. Irgendwann stellte ich dabei erstaunt fest, dass „es mich schrieb“. Die Worte schienen in meinen Kopf, in mein Herz zu fließen und von dort aufs Papier. Ich hörte sie innerlich und ich sah die Bilder dazu, wie einen inneren Film. Ich befand mich auf einmal in einer wundervollen Welt der Imagination und Inspiration.

Schöpferisch tätig zu sein, zu schreiben, trieb mich voran und brachte mich dazu, immer wieder aufs Neue meine Grenzen zu überwinden, mich mehr und mehr nach höherer Inspiration und Wahrheit zu strecken. Was mich dabei immer wieder mit sich zog, war die Musik. Musik hob mich buchstäblich zu noch neueren, höheren Einblicken und Erfahrungen, die ich dann von „dort“ versuchte herunterzuziehen in das Hier und Jetzt und auf einem Stückchen Papier festzuhalten. Es war ein immerwährendes Geben und Empfangen.

„Poesie und Musik sind zwei Ausdruckformen derselben Regionen, nämlich derjenigen der Seele und des Geistes: wo die Musik waltet, herrscht auch die Poesie. … Die Musik gibt euch alle günstigen Voraussetzungen, … so wie der Wind, der das Segel eures Bootes aufbläht: Das Boot entfernt sich, segelt einer neuen Welt entgegen, der göttlichen Welt. Die Musik ist eine mächtige Hilfe zur Verwirklichung. … Die wahre Poesie ist der göttliche Logos selber. … Die wahre Poesie weckt im Menschen die Erinnerung an seine himmlische Heimat, bringt seine geistigen Saiten zum Erklingen, gibt ihm Elan, um sein Leben zu erneuern.“

                                                                       (Omraam Mikhaël Aïvanhov, Mystiker)

Dieses Sehnen, Strecken und Suchen, an Grenzen zu stoßen, an sich zu arbeiten, sich weiterzuentwickeln, nach oben, unten, innen und außen zu „wandern“, wird weitergehen. Auch ich bin noch längst nicht „angekommen“.

Aber es entstand auch der innige Wunsch, das Empfangene, die Einblicke in diese wunderschöne, heilsame Welt der Inspiration und auch meine Erfahrungen weiterzugeben, selbst etwas für die Menschen und diese Welt beizusteuern, heilsam zu berühren, Mut zu machen und Freude zu schenken.

„The search for meaning is really the search for the lost chord. When the lost chord is discovered by humankind, the discord in the world will be healed and the symphony of the universe will come into complete harmony with itself.“

(John O’Donohue)

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